March 2017

Wie kommen meine Preise zustande ?

Jeder hat sich sicherlich schon mal gefragt, wie die Preise gerade von Hochzeitsfotografen zustande kommen und wieso diese häufig 100 € und mehr pro Stunde vor Ort geleisteter Arbeit berechnen. Mit diesem Artikel möchte ich versuchen, das Mysterium zu lüften und ein wenig Transparenz in die Geschichte zu bringen.

Vor und nach der Hochzeit wird auch gearbeitet

In der Regel findet vor der Hochzeit ein Treffen zwischen Paar und Fotograf statt. Dieses Vorgespräch erfolgt in der Regel ohne Berechnung, die Zeit muss der Fotograf trotzdem aufwenden. Verläuft das Gespräch zur beidseitigen Zufriedenheit, wird ein verbindlicher Vertrag ausgearbeitet. Auch das kostet Zeit.

Kurz vor der Hochzeit liegt es nahe, dass der Fotograf sich die Location(s) anschaut. Auch diese Dienstleistung ist im Paketpreis inbegriffen und nimmt locker zwei bis drei Stunden in Anspruch. Dazu kommen noch Fahrtkosten und natürlich die Fahrtzeiten. Damit der Fotograf auch zu den Orten kommt, benötigt er ein Auto, das natürlich auch bezahlt werden muss. Wenn dann noch das sogenannte Location-​Scouting hinzu kommt, also das Suchen von für Fotos geeigneten Orten, geht noch mehr Zeit dafür drauf. Allein dieser Teil der Vorbereitung nimmt also ganz locker fünf bis sechs Stunden in Anspruch. Rechnen wir nun also das Vorgeplänkel und die Besichtigung zusammen, liegen wir schon bei rund acht Stunden Dienstleistung.

Nach der Hochzeit, also dem „sichtbaren“ Teil der Arbeit, geht es dann an den Computer. Die entstanden Bilder müssen ausgewertet und vorsortiert werden. Das kann, abhängig von der entstandenen Menge der Fotos, auch schon eine bis zwei Stunden in Anspruch nehmen. Je nach Arbeitsweise, ich mache das gerne so, stellt der Fotograf dann dem frisch vermählten Paar eine Vorauswahl an Fotos zur Verfügung. Meist erfolgt das übers Internet, die dafür erforderliche Infrastruktur muss vorhanden und bezahlt sein. Spätestens jetzt geht es an die Nachbearbeitung der Bilder. Ausschnitte werden verändert, Farben verbessert, kleine Makel retuschiert. Je nach Foto dauert das zwischen einer und 20 Minuten (oder sogar noch länger). Der Computer und die Software, die für die Durchführung dieser Arbeit erforderlich sind, müssen natürlich auch bezahlt werden. Und ein vernünftiger Computer samt Bildschirm, der sich für die Bildbearbeitung eignet ist eben auch nicht für 299 € im Discounter zu finden (mein Computer samt Zubehör hat bspw. rund 3.000 € gekostet), von der Software ganz zu schweigen. Für Adobe Photoshop und Photoshop Lightroom bezahlt der Cloud-​Kunde auch noch mal 12 € monatlich. Gesichert werden wollen die Fotos natürlich auch, ein geeignetes Gerät kostet dann auch gerne 300 € und mehr.

Abhängig von der Menge der nachbearbeiteten Bilder kann es locker weitere 10 Stunden dauern, bis hier ein Ende in Sicht ist. Diese müssen dann noch für den Versand an das Ehepaar vorbereitet und schlussendlich versandt werden. Das dauert auch gerne noch mal eine Stunde.

Kein Bild ohne Kamera

Nicht zu vergessen ist natürlich die erforderliche Investition des Fotografen in Kameras, Objektive, Blitze, Lichtformer, Stative und was sonst noch so dazu gehört. Die wenigstens Hochzeitsfotografen werden mit einer Kamera auftauchen, da im Falle eines Ausfalls der Kamera dann gar keine Bilder mehr entstehen würden. Für verschiedene Aufnahmen braucht es verschiedene Objektive, und Objektive sind nicht billig. Und wenn das verfügbare Licht mal nicht ausreicht oder optimal geeignet ist, kommen Blitze zum Einsatz. Je nach Anspruch des Fotografen kommen so locker 5.000 — 20.000 € zusammen, die investiert werden mussten. Kameras halten eine Weile, aber auch nicht ewig, müssen also alle paar Jahre auch ersetzt werden. Wie oft hängt davon ab, wie viel mit ihr fotografiert wird. Die Mechanik der Spiegel in digitalen Spiegelreflexkameras hat nur eine bestimmte Lebensdauer. Auch diese Kosten müssen natürlich in den Preis der Hochzeitsfotografie eingerechnet werden. Und an einem Tag kommen da locker 2.000 — 5.000 Fotos zusammen, die geschossen werden. Gemessen an der Lebensdauer einer halbwegs hochwertigen DSLR-​Kamera von 150.000 oder noch mehr Spiegelschlägen sicherlich kein Problem, sollte aber nicht unerwähnt bleiben. Eine 2.000 € teure Kamera ist damit nach etwa 30 — 50 fotografierten Hochzeiten reif für den Elektroschrott.

Keine Aufträge ohne Werbung

Ohne Werbung wird man nicht gefunden, so viel ist klar. Die wichtigste Werbung dürfte sicherlich die Website sein, auf der der geneigte Leser sich ja gerade auch befindet. Die Erstellung und der Betrieb einer Website kostet natürlich Geld. Und Zeit, man muss schliesslich sein Portfolio aktuell halten und auch dafür sorgen, dass der Auftritt zeitgemäß bleibt. Alle drei bis fünf Jahre kann man also ohnehin die Website komplett neu machen. Wenn man nicht in der Lage ist, das selbst zu machen, darf man hier auch gut und gerne 1.500 € und mehr investieren.

Weitere Werbung kann man über die üblichen Verdächtigen wie Google, Instagram und Facebook schalten. Das Budget lässt sich komplett frei bestimmen und man muss natürlich keine Werbung schalten, aber um Reichweite zu bekommen bietet sich das durchaus an.

Kostenlos, aber dennoch zeitintensiv, ist natürlich auch die Pflege und Betreuung der Social-​Media-​Kanäle wie Instagram und Facebook. Die Follower wollen am liebsten täglich neue Inhalte sehen, Kommentare müssen beantwortet werden, alles Dinge, die Zeit und damit indirekt natürlich auch Geld kosten.

Visitenkarten und Flyer sind auch im digitalen Zeitalter nach wie vor sinnvoll. Auch diese müssen gestaltet werden, was mindestens Zeit kostet, wenn man es denn selbst macht, aber spätestens dann auch Geld kosten, wenn man sie drucken lässt. Verteilt sind sie dann noch lange nicht, auch das muss der Fotograf abdecken.

Das Thema Weiterbildung haben wir bis hierher auch noch nicht einbezogen. Die Hochzeitsfotografie entwickelt sich weiter und auch die Kameras und das Equipment machen Fortschritte, mit denen sich der Fotograf irgendwie beschäftigen muss. Ob er nun jemanden dafür bezahlt, ihm das beizubringen oder sich das alles in seiner Freizeit beibringt ist dabei natürlich unerheblich, teuer wird es so oder so.

Rechnen wir zusammen

Ich gehe bei meiner Beispielrechnung von einer Reportage aus, die üblicherweise rund 10 Stunden dauert und bei mir bspw. 999 € kostet. Zu den „sichtbaren“ 10 Stunden, die der Fotograf auf der Hochzeitsfeier zugebracht hat, kommen noch weitere ein bis zwei Stunden für das Vorgespräch und die Vertragsschließung hinzu. Es folgen zwei bis drei Stunden Besichtigung und eine bis zwei Stunden Location-​Scouting. Nach der Hochzeit werden dann weitere 10 bis 12 Stunden in die Bearbeitung und Bereitstellung der Fotos gesteckt. Rechnen wir das alles zusammen, liegen wir bei einem Zeitaufwand von rund 30 Stunden. An dieser Stelle läge mein Stundensatz also bei 33 €. Von diesen 33 € muss ich noch die Abnutzung des Fahrzeugs kompensieren und das Equipment bezahlen und halbwegs aktuell halten. Außerdem zahle ich Steuern. In meinem Falle sind das mindestens 19 % Umsatzsteuer, die von den 33 € noch abgehen. Und dann kommt noch die Einkommenssteuer, die bei etwa 40 % liegt. Ein hauptberuflicher Fotograf muss davon dann auch noch seine Versicherungen bezahlen, die für Selbstständige häufig deutlich teurer sind, als das bei Angestellten der Fall ist.

Wenn wir dann noch die indirekten Kosten für Werbung aus dem vorigen Absatz mit einrechnen, sinkt der Stundensatz noch weiter. Häufig bleiben nicht mehr als 25 € die Stunde übrig, ausgehend vom vorigen Rechenbeispiel.

Fazit

Hinter der offensichtlichen Arbeit steckt noch viel mehr, was die Gesamtkosten natürlich nach oben treibt. Da ich das nebenberuflich betreibe, kann ich eine Reportage für 999 € anbieten, ein hauptberuflicher Fotograf hingegen muss zwangsläufig mehr verlangen, wenn er nicht verhungern oder irgendwann ohne Geld für Auto und Equipment dastehen möchte. Außerdem finden die meisten Hochzeiten an einem Wochenende statt. In anderen Dienstleistungsbranchen wird bei Terminen am Wochenende sogar ein Aufschlag verlangt, bei Hochzeitsfotografen ist dieser inklusive …

Bitte bedenkt all das, wenn ihr nach einem Hochzeitsfotografen sucht und darüber stöhnt, dass das so teuer sei. Es ist und bleibt viel Geld, keine Frage, und Hochzeiten an sich sind schon sehr teuer. Auf der anderen Seite heiratet man aber (hoffentlich) auch nur ein Mal im Leben und diesen wunderschönen Tag möchte man doch in schönen Bildern festhalten lassen. Oder ?

Fotobücher von Saal Digital

Der Foto-​affinen Menschen sicherlich nicht unbekannte Anbieter für Foto-​Print-​Produkte Saal Digital hat aktuell u.a. bei Instagram diverse Werbeaktionen laufen. Man kann sich hier für Gutscheine für verschiedene Produkte bewerben. Ich habe die Gelegenheit genutzt und ein Fotobuch bestellt. Ich habe die Variante A4 gewählt, dem Buch einen weißen Lederumschlag spendiert, der auch noch wattiert ist und die Geschenkverpackung dazu gebucht. Mit 26 Seiten kam ich auf einen Gesamtpreis von rund 70 €.

Die Software, die Saal Digital zur Gestaltung der Bücher (und anderer Fotoprodukte) zur Verfügung stellt ist sowohl für den Mac als auch für Windows verfügbar. Leider ist sie in Adobe Air geschrieben, was sie recht träge macht. Langsam ist sie nicht, sie fühlt sich aber einfach träge und eben nicht nativ an. Da kommt vielleicht einfach der Informatiker in mir durch, aber ich würde eine native, direkt für macOS geschriebene Lösung bevorzugen. Andererseits finde ich es gut, dass es überhaupt eine Software für den Mac gibt, das ist bei deutschen Anbietern ja absolut keine Selbstverständlichkeit.

Saal Digital hat für das Thema Hochzeit, um das es mir hier ging, verschiedene Layouts vorgefertigt. Man kann aber auch selbst eigene Layouts erstellen und diese hochladen. Ich habe mich bei einer der Vorlagen bedient und sie dann von der Software automatisch mit Bildern befüllen lassen. Spannend fand ich, dass die Ergebnisse sich bei jeder Neuerstellung geändert haben. Manchmal versagte der Algorithmus aber auch und liess Platzhalter leer. Wenn man also mit dem ersten Vorschlag, den die Software unterbreitet unzufrieden ist, versucht man es einfach noch mal. Dieselben Einstellungen in der Software beim Erstellen des Produkts liefern jedes Mal ein anderes Ergebnis. Hat man eine passende Zusammenstellung gefunden, kann man diese speichern oder auch ohne sie zu speichern in die Anpassungen gehen.

Ich habe bei einigen Fotos den Bildausschnitt ändern müssen, da hier teilweise Köpfe oder andere Körperteile unvorteilhaft abgeschnitten waren. Manche Bilder habe ich im Nachhinein auch getauscht, was ohne Probleme möglich war. Die Software ist recht intuitiv. Ein Einfachklick lässt einen ein Objekt (also bspw. einen Rahmen) bearbeiten, ein Doppelklick das Element (sprich : das Foto) innerhalb des Objekts. Die Bedienelemente sind leicht verständlich und dürften auch einen Laien nicht überfordern.

Der Bestellprozess als solcher ist ziemlich Straight-​Forward : man bestätigt (oder ändert) noch mal alle Optionen, die man anfangs bei der Produkterstellung schon gewählt hat, legt dann das Produkt in den Warenkorb, gibt seine Adresse(n) ein und wählt die Zahlungsmethode. Direkt im Anschluss bekommt man noch eine E-​Mail, dass die Bestellung eingegangen ist und man per E-​Mail über den Fortschritt auf dem Laufenden gehalten wird.

Ich bin mit meinem Erlebnis ziemlich zufrieden.

Ich habe das Buch stellenweise abfotografiert, damit ihr euch ein Bild von der Druck– und Fertigungsqualität machen könnt. Ich kann den Anbieter definitiv empfehlen. Die Druckqualität ist wirklich toll, das Buch selbst, also die Haptik, ist es ebenfalls. Ob ich die Geschenkverpackung, die immerhin 20 € Aufpreis gekostet hat, noch mal bestellen würde, weiß ich aber nicht. Wünscht der Kunde es, gerne, aber mir selbst erscheint der Aufpreis nicht angemessen. Das, und die Tatsache, dass die Software in Adobe Air geschrieben wurde, sind aber auch die einzigen Kritikpunkte, die ich hervorzubringen habe.